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Der Dreischneuß
Zeitschrift für Literatur, Hrsg.: Regine Mönkemeier
Marien-Blatt Verlag, Lübeckr

Nekrolog

Irgendjemand müsste mir einen Strick bringen.
Und es war so: Gestern pongte dieser dünne Strichmann von einer Ecke der Bar in die andere. Und alle dort sprachen diese Sprache, obwohl wir nicht im Land dieser Sprache waren.
Hier auf dem Galgenberg mache ich es wie jeder, gehend, gehend und denkend, jeder, für sich, eingeschlossen, tausende von Bemerkungen, aber mir ist noch kein Gespräch gelungen – ich dulde keine Gespräche. Und dieses ungeheure Kapital in den Köpfen der Schweine. Überlastet das nicht. Irgendwann wachsen den Schweinen Leitungen aus den Knopfaugen. Jedes Schwein ein Teil des Netzwerks.
Und ich? Ich aß Hühnerschenkel in dieser Bar. Und als ich die übrigen Knochen ineinander steckte, knackte es, wie es nur knacken kann, wenn Knochen an Knochen reibt. Seitdem ist dieses Geräusch immer in meinem Kopf und es ist so andauernd da, dass es vielleicht schon ein Gefühl geworden ist. Und ich weiß nicht, was der Unterschied zwischen Gefühlen und abstrakten Gedanken ist. Ich lebe in dieser Welt und besitze noch nicht einmal ein Sakko. Ich dachte der Wunsch würde kommen, irgendwann, doch es gibt in meinem Inneren kein Bedürfnis nach einem Sakko. Ich hätte lieber einen Strick und würde baumeln, als mir ein Sakko zu kaufen. Das schmälert natürlich meine Berufsaussichten. Macht aber nichts. Noch lieber als an einem Strick würde ich einen Unfalltod sterben.
Nur: Über den eigenen Tod besitzt man zumeist keine Verfügungsgewalt. Ich sollte jetzt runter gehen und mir weitere Sakkos anschauen, vielleicht ändert das etwas. Ich versuche das seit Langem täglich.
 

                                                                                                             ©  Sara Hauser, Tübingen